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Simon versus the Homo Sapiens Agenda – Becky Albertalli

Bild "Simon versus the Homo Sapiens Agenda"

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Zur Sache

Titel: Simon versus the Homo Sapiens Agenda

Autor: Becky Albertalli

Verlag: Balzer + Bray

Erschienen: 07. Juni 2016

Seiten: 336

Preis: EUR 7,99 (für diese Ausgabe)

Zum Inhalt

Der 16-jährige Simon Spier lebt das ganz normale Leben eines amerikanischen Teenagers. Er unternimmt viel mit seinen Freunden, hat ein ausgezeichnetes Verhältnis zu seinen Eltern und ist nebenbei noch ein guter Schüler. Was niemand weiß: Simon ist schwul. Als ein Mitschüler online ein Coming out feiert, ohne dabei seine Identität zu offenbaren, erkennt Simon seine Chance und nimmt E-Mail-Kontakt zum Jungen mit dem mysteriösen Decknamen Blue auf. Auf intellektueller Ebene scheint es zwischen beiden schnell zu funken, zu einem Treffen kommt es dennoch nicht. Und als Simons Mitschüler Martin dessen E-Mails an Blue in die Hände bekommt und ihn damit erpresst, steht Simon vor einer schwierigen Entscheidung: Soll er das Leben seiner besten Freunde ruinieren, um sein größtes Geheimnis, das er eigentlich nicht länger geheim halten will, zu bewahren?

Meine Meinung

Der Hype um Simon versus the Homo Sapiens Agenda ging aus unerfindlichen Gründen vollkommen an mir vorüber. Wäre das Buch nicht verfilmt worden, hätte ich den Debütroman von Becky Albertalli vermutlich gar nicht gelesen! Das wäre ein großer Fehler gewesen …

“Was Simon versus the Homo Sapiens Agenda gut macht …”

Zu Beginn wird dem Leser direkt der große Aufhänger der Handlung präsentiert, das große Hindernis, das für Simon alles oder nichts bedeuten könnte. Vollkommen subtil wird er von Martin, einem Mitschüler, darauf aufmerksam gemacht, dass er sein geheimstes Geheimnis kennt. Er spielt darauf an, dieses öffentlich zu machen, sollte Simon nicht dafür sorgen, dass sich seine beste Freundin Abby in Martin verliebt. Von da an kommt die Geschichte ins rollen …

Becky Albertalli bleibt im Verlauf des Buches einem gleichbleibenden Schema treu. Auf ein “normales” Kapitel folgt immer ein Kapitel, welches den E-Mail-Verkehr zwischen Blue und Simon, oder besser gesagt Jacques, zeigt. So erfahren wir Leser, was sich die beiden schreiben, ohne, dass Simon jedes gesagte Wort von Blue überanalysiert, weil Albertalli nicht direkt auf das Geschriebene in den Mails eingeht. Natürlich gibt es Sätze und Situationen, in denen Simon reflektiert.

Doch aufgrund der gewählten Darstellung und der daraus resultierenden strikten Trennung zwischen den Mails und dem Rest der Handlung liegt der überwiegende Fokus auf Letzterer. Simon lebt sein Leben vollkommen normal, mit der Bürde seiner verheimlichten Homosexualität. Martins Erpressung schwebt wie das Damoklesschwert über allem. Die Leser – und Simon – müssen mit jedem blöden Spruch Martins damit rechnen, dass er die Nachrichten veröffentlicht. Das nimmt der Geschichte die Leichtigkeit; eine Sache, die der Film wirklich gekonnt umsetzt!

Simon versus the Homo Sapiens Agenda schafft die notwendige Repräsentation für die Gemeinschaft der LGBTQ+. Allein dafür hat das Buch 5 Sterne verdient! Über Themen, die totgeschwiegen und als Tabu angesehen werden, muss mehr gesprochen – oder wenigstens geschrieben und gelesen – werden, um die Aufmerksamkeit derer zu erregen, die von der Thematik grundsätzlich nicht betroffen sind. Nur auf diese Weise wird es möglich sein, Diskriminierung zu übergehen und Akzeptanz zu schaffen.

Vollkommen überzeugt hat mich das Ende von Simon versus …! Wenn sich Simon und Blue endlich finden, kehrt die oben angesprochene Lockerheit ins Geschehene ein und hat mir über vierzig Seiten hinweg ein Dauerlächeln ins Gesicht gezaubert, das ich aber auch gerne auf den vorangegangene 260 Seiten gehabt hätte.

“Warum ich den Film dennoch lieber mochte als das Buch …”

Auch, wenn ich dafür vermutlich gelyncht werde: Love, Simon hat mir besser gefallen als Simon versus the Homo Sapiens Agenda. Den Grund dafür kann ich nicht genau benennen. Ob es die lockere, teilweise herzerwärmende Atmosphäre des Films war, die fabelhaften Inszenierungen oder grundsätzlich der talentierte Cast und die Crew, welche beide das Allerbeste aus dem Stoff herausgeholt haben. Das Buch bedient sich ernsteren Tönen. Daran ist nichts verwerfliches. Mobbing beziehungsweise Erpressung spielt sich eher so ab, wie von Becky Albertalli geschrieben, als von Regisseur Greg Berlanti verfilmt.

Während des Films hatte ich nicht das Gefühl, Simon erkenne die Erpressung als solche an. Stattdessen erfüllte er Martins Bedingungen ohne großen Widerwillen. Dadurch lag der Fokus mehr auf Simons verheimlichter sexueller Orientierung und seinem Weg hin zum Coming out. Simon versus the Homo Sapiens Agenda bewegte sich eher auf einem schmalen Grad zwischen “coming-out-of-age” und einem Buch über die Auswirkungen einer Erpressung (ähnlich wie 13 Reasons Why die Folgen von Mobbing – auf extremste Weise -behandelte).

Am meisten habe ich beim Lesen Simons Eltern vermisst. Diese wurden durch Jennifer Garner und Josh Duhamel exzellent gespielt. Ein Paradebeispiel toleranter Eltern. Die Unterhaltungen zwischen ihnen und Simon nach dessen Coming out am Weihnachtsmorgen zählen für mich zu den stärksten Momenten von Love, Simon. Ich hätte mir gewünscht, ähnliches in den Seiten des Romans wiederzufinden – leider Fehlanzeige.

Fazit

Trotz meiner angesprochenen Kritikpunkte kann ich Simon versus the Homo Sapiens Agenda natürlich empfehlen. Vielleicht solltet Ihr zuerst das Buch lesen, bevor Ihr Euch den Film anschaut. Das war auch mein ursprünglicher Plan gewesen. Doch dann kam eine Preview-Vorführung dazwischen und hat dieses Vorhaben zunichte gemacht. 😀 Dadurch ist es mir sehr schwer gefallen, das Buch objektiv zu Ende zu lesen, ohne zu sehr vom Film voreingenommen zu sein. Ich glaube ehrlich gesagt, dass mir das weniger gelungen ist und sich diese Anstrengung in meiner Rezension deutlich zeigt. Es sei mir bitte vergeben. 🙂

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