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The Ivy Years: Solange wir schweigen – Sarina Bowen

Beitragsbild "The Ivy Years: Solange wir schweigen" von Sarina Bowen

Willkommen zurück am Harkness College in New England, wo ein neues Jahr voller Eishockey und Liebesverwirrungen wartet. In Band 3 steht das erste gleichgeschlechtliche Protagonistenpaar der Reihe im Vordergrund: Michael Graham und John Rikker. Die beiden teilen sich nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch das Geheimnis ihrer verbotenen Liebe in der Jugend. Nach einem Zwischenfall gingen Michael und John getrennte Wege. Doch das Schicksal will die Flinte wohl so schnell nicht ins Korn werfen und gibt den beiden eine zweite Chance. Werden sie sie nutzen? …

Meine Meinung

Was habe ich mich auf Solange wir schweigen gefreut! Nach dem ersten IvyYears-Band, den ich nur mittelmäßig fand, spielte ich ernsthaft mit dem Gedanken, die Reihe sofort wieder aufzugeben und mich anderen literarischen Ufern zu nähern. Dann kam Band 2, dessen Klappentext vielversprechender klang und ich entschied mich vorerst, ein weiteres Jahr an der Elite-Uni Harkness zu bleiben. Und siehe da: Was wir verbergen gefiel mir deutlich besser und ist – SPOILER – mein Favorit der Serie. Dementsprechend konnte Solange wir schweigen nur gut werden, oder? ODER?! Tja, falsch gedacht …

Wo fange ich nur an? Jeder, der mir auf Instagram folgt (@mrrenewe), weiß, wie ich über Solange wir schweigen denke! Am Anfang warteten die Einstiegsschwierigkeiten, mit denen mich Sarina Bowen bereits bei den Vorgängerbänden zu necken wusste. Nach ungefähr 50 oder 60 Seiten ereilte mich eine kleine Sinnkrise. Die Autorin schrieb Sachen, ließ ihre Charaktere Aussagen treffen und Taten vollziehen, mit denen ich absolut nicht einverstanden war, Stichwort: Präsentation von Homosexualität in einem Roman. Ich legte den Band beiseite und machte mir wirklich Gedanken. Reagiere ich über? Projiziere ich zu viel meiner eigenen Herangehensweise beim Schreiben auf Sarina Bowen und bin traurig darüber, dass sie diese Gelegenheit zur Aufklärung nicht nutzt? Wie so oft tauschte ich mich mit vertrauten Buchblogger*innen dazu aus und 99% bestätigten mir, dass ich weder zu hysterisch war, noch, die Dinge falsch beurteilte.

Den inneren Konflikt von Hauptfigur Michael Graham, den Kampf gegen die romantischen Gefühle, die er für sein eigenes Geschlecht hegt, konnte die Autorin in meinen Augen nicht zufriedenstellend transportieren. Im Grunde war es sich immer wiederholender Teufelskreis aus Jammern, seinen heimlich Angebeteten sehen, Alkohol und anschließend Sex mit einer Frau. Ich konnte mit Graham kein einziges Mal mitfühlen. Und daran ist einzig das stereotypisierte Verhalten des Protagonisten Schuld! 

Was das Fass zum Überlaufen brachte …

Doch es ist ein anderer Punkt gewesen, den ich nur kurz anmerken möchte, der mich beim Lesen aus der Fassung gebracht hat. Eine der Nebenfiguren – die, die mit Michael Graham gelegentlich in die Kiste springt, wenn der sich mal wieder als Mann beweisen muss *gähn*, druckt Michael gegen seinen Willen einen Kuss auf und er macht nur mit, weil er nicht wie ein Trottel dastehen möchte. Korrigiert mich, wenn ich mich irre, aber das wäre doch ein Fall für #Aufschrei oder #MeToo?! Dieses Verhalten wird von allen einfach in Kauf genommen. Sowohl von den Charakteren selbst, aber auch von den anderen Leser*innen. Bislang konnte ich in keiner Rezension dieses Detail finden. 

Ansonsten kann ich mich aus meinen Rezensionen zu den beiden Ivy-Years-Vorgängern nur selbst zitieren. Der Schreibstil ist solide. Man kann die Geschichte flüssig lesen. Wenn einem ein banalisierter, sexueller Übergriff und die in meinen Augen mangelhafte Darstellung von Homosexualität egal ist, man leichte Unterhaltung sucht, dann ist man bei The Ivy Years – Solange wir schweigen gut aufgehoben. Noch einmal zur negativen Repräsentation von gleichgeschlechtlich Liebenden. Liest ein “ungebildeter” Mensch diesen Roman, stolpert er über die Tatsache, dass der eigentlich homosexuelle Michael Graham auch mit Frauen schläft, wenn es ihm passt. Wird dann nicht das uralte – und abgrundtief falsche und gefährliche – Klischee bedient, dass homosexuelle Männer alles ficken, weil sie Männer sind?! 

Fazit

Möglicherweise waren meine Erwartungen einfach zu hoch. Das passiert mir sonst bei Filmen, oder, wenn mein Lieblingsmusiker ein neues Album veröffentlicht. Dahingehend war The Ivy Years – Solange wir schweigen eine richtige Premiere gewesen: Das erste Buch, von dem ich mir etwas erhoffte und bitter enttäuscht wurde. Die Handlung wiederholt sich, ich hatte beim Lesen das Gefühl, die Autorin wisse selbst nicht so wirklich, wohin mit dem Plot. Sympathie mit den Figuren gleich null! Am angenehmsten war mir John Rikker, die anderen hätte ich gerne alle in einen Sack gestopft und mit einem Baseballschläger draufgehauen, auf dass sie wieder normal werden.

Die völlig klischeegetränkte Darstellung von Homosexualität möchte ich nicht noch einmal aufgreifen; das habe ich im Rahmen dieser Besprechung bereits zu Genüge getan. Das Ende von Solange wir schweigen leutet gleichzeitig meinen persönlichen Abschluss mit der siebenbändigen IvyYears-Romanreihe von Sarina Bowen ein. Für mich bleibt sie eine Trilogie, die ihr Potential nie wirklich entfalten konnte … Leider!

2.5 / 5 Sternen

P.S.: Um die Stimmung etwas zu lockern: Hier gehts zu meinem Beitrag zum MAMMA MIA BOOK TAG! 🙂


Zur Sache

Titel: The Ivy Years – Solange wir schweigen

Autorin: Sarina Bowen (ins Deutsche übertragen von Ralf Schmitz)

Verlag: LYX

Erschienen: 26. Oktober 2018

Seiten: 384

Preis: EUR 12,99


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