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„Wie selten lesen wir das eigene Leben?“ – Motivation zum Selbstversuch

Beitragsbild "Blog" zu "Wie selten lesen wir das eigene Leben?"

Sehr oft – davon bin ich überzeugt, weil es mir selbst passiert –  bekommt ein Bücherliebhaber im Leben die folgende Frage gestellt: „Was liest du denn gerade für ein Buch?“. Als Antwort nennt er den Titel. Vielleicht umreißt er den Inhalt noch kurz, damit sein Gegenüber einen groben Handlungsüberblick bekommt. Allenfalls erwähnt er noch den Autor, wenn es denn ein bekannter Name ist. Eine Information, die während des kurzen Austauschs nicht übermittelt wird, ist der Grund: Warum ausgerechnet dieser Roman? Es muss doch einen Auslöser gegeben haben, der über den Kauf, die Ausleihe oder den Wunsch zu einem besonderen Anlass entschied!

Klar hat jeder Leser seine eigene Vorliebe dar und Abneigung dagegen, welche Gattung Buch ihn mehr beziehungsweise weniger in den Bann zieht. Bei dieser Betrachtung möchte ich die Genres gerne außen vor lassen und nicht ansprechen. Sie können doch schließlich nicht die einzigen Kriterien sein, die unsere Entscheidungen beim Bücherkauf eingrenzen. Wenn dem so wäre, müssten Fantasy-Liebhaber im Grunde genommen alles lesen, von Tolkien bis Maas!

Was aber, wenn der Besitzreiz auf ein vollkommen banales, nahe liegendes Phänomen zurückzuführen wäre? Und zwar die Ereignisse des eigenen Lebens?

„Wie es zu diesem Blogeintrag kam…“

Die Idee kam mir vor ein paar Monaten bei einem Brainstorming über potentiellen Blogcontent. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt schon von diversen Studien über ähnliche Fragestellungen in Bezug auf Fernsehserien. Viele Studenten wählen ihr Studienfach nach Berufen, die Gegenstand ihrer Lieblingsserien sind. Demzufolge sollte jeder übrigens zumindest eine Hochschülerin kennen, die wegen ihrer Liebe zu Grey’s Anatomy das Studium der Medizin begonnen hat 😉 .

Ich persönlich weiß von mehreren Menschen in meinem näheren Umfeld, die eine Serie anschauen, weil sie zum eigenen Berufsbild passt. Wenn das eigene Leben die Sehgewohnheit so beeinflusst, warum dann nicht auch die Lesemarotten? Oder ist das unterschwellig schon der Fall und wir wissen es nur noch nicht? Lesen wir unsere Bücher, um der Welt um uns herum zu entfliehen, oder um noch mehr in ihr aufzugehen?

Reden wir Klartext: Was genau entscheidet denn nun über die Auswahl unseres Lesestoffs?

„Keine leichte Aufgabe…“

Die Frage kann leider nicht universell beantwortet werden. Vielmehr sehe ich sie als Aufforderung zum Selbstexperiment an. Ihr solltet einen Blick in Euer Bücherregal werfen. Stellt Euch selbst die Ausgangsfrage: „Besitze ich dieses Buch, weil es mein Leben widerspiegelt? Oder, weil es genau das nicht tut?“. Gern dürft Ihr mich in den Kommentaren über Eure Ergebnisse unterrichten 😉 .

Meine persönlichen Erfahrungen

Selbstredend bin auch ich meine Büchersammlung Regal für Regal und Reihe für Reihe durchgegangen. Das Ergebnis hat mich, um ehrlich zu sein, überrascht. Ich lese mein eigenes Leben selten! Über die Jahre hinweg haben sich Bücher angesammelt, die in Ländern spielen, die ich nicht bewohne (und wegen meiner Flugangst wohl auch nicht so schnell bereisen werde :LOL: ). Sie beinhalten Protagonisten, in denen ich mich nicht wiederfinde (das aber offen gestanden gerne täte, hoffend, eine gleichartige Lebensweise zu erfahren). Ich kämpfe mich durch die Wortlabyrinthe, weil das darin Verborgene Aspekte beleuchtet, die ich mir für mein eigenes Leben wünsche. Oder, die ich zumindest für wünschenswerte empfinde. In Wahrheit könnte ich mich, wenn es hart auf hart käme, nur mit einer Protagonistin richtig identifizieren: Willowdean Dickson aus dem Jugendroman Dumplin‘. Die Teenagerin aus Texas ist die selbstproklamierte „Dicke vom Dienst“. Sie interessiert sich  einen Schei* für ihr Äußeres. Bis vor zwei Jahren habe ich eine dem entsprechende Einstellung vertreten. Dann interessierte es mich doch, wie ich selbst meinen Körper sah. Deshalb beschloss ich, etwas daran zu verändern. Aber den inneren Konflikt, den Willowdean im Verlauf des Buches durchlebt, die Selbstzweifel, die sie heimlich in sich trägt: darin kann ich mich selbst noch heute finden! Aus diesem Grund habe ich mit diesem Buch mein eigenes Leben gelesen. Wenn auch nicht so ausgeprägt, wie mit meiner Ausgangsfrage eigentlich gemeint.

P.S.: Ihr sucht noch nach neuem Lesestoff für den Juni? Dann schaut hier vorbei und durchstöbert die wichtigsten Neuerscheinungen des Monats!

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